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Dass Eva Sendelbach mit ihren 58 Jahren noch einmal die „Schulbank“ drücken würde, hätte die seit 38 Jahren am Haus tätige Krankenschwester bis vor wenigen Monaten auch nicht gedacht. Als Chefarzt Dr. Rainer Kuhn und Pflegedienstleitung Gerlinde Vatter sie für die Weiterbildung zur Herzinsuffiziensschwester vorschlugen, sagte sie jedoch spontan zu, zu sehr reizte sie der Wunsch, betroffene Patienten zu unterstützen. Eine Herzinsuffizienz stellt eine Funktionsstörung des Herzens dar, bei der das Herz nicht mehr ausreichend Blut in den Körperkreislauf pumpen kann. Menschen mit einer solchen Krankheit leiden auch oft an diversen Nebenerkrankungen wie Diabetes, Atemnot, Übergewicht oder Wassereinlagerungen.
Die sechsmonatige Weiterbildung, die von Juni bis November folgte, umfasste Blockseminare in Würzburg gepaart mit Selbststudium. „Das Besondere ist, dass ich von Anfang an zwei Patienten aus unserem Haus betreut habe und das erlernte Wissen direkt anwenden konnte“, erzählt Frau Sendelbach, die richtig ins Schwärmen gerät, wenn sie von ihrer Weiterbildung erzählt. Die theoretische Ausbildung an der Uni Würzburg empfand sie als sehr bereichernd. Gemeinsam mit den anderen sieben Kursteilnehmern erhielt sie unter anderem Unterricht in Anatomie, Psychologie, Ernährung bei Herzinsuffizienz und Herzultraschall. In der Kreisklinik unterstützte sie der Leitende Oberarzt Dr. Gholam Nabi Fakeri aus der Inneren Medizin, der ihr als Mentor mit Rat und Tat zur Seite stand.
In der Praxis betreute sie eine 59-jährige Patientin und einen 76-jährigen Patienten mit schweren Herzproblemen nach der Entlassung weiter, zu denen sie bereits während des Krankenhausaufenthaltes ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen konnte. Zu fest vereinbarten Terminen telefonierte sie einmal pro Woche mit den beiden. Nach einem halben Jahr wird entschieden, ob weiterhin Bedarf besteht und wie häufig der Kontakt dann sein soll. Eine Begleitung ist bis zu 18 Monaten möglich. Während ihrer Gespräche, für die Frau Sendelbach speziell geschult wurde, orientiert sie sich an einem Fragebogen, der Fragen zum allgemeinen Gesundheitszustand sowie nach Problemen und Ängsten umfasst. Fast immer kommen auch Hinweise zu verordneten Medikamenten zur Sprache, die die Patienten für ihre Krankheit sensibilisieren sollen. „Damit sich die Lebensqualität verbessert, vereinbare ich Ziele mit meinen Patienten, zum Beispiel 5 Kilo in drei Monaten abzunehmen. Wir sind dann alle überglücklich, wenn diese Ziele erreicht werden“, erzählt Frau Sendelbacher.
Bei ihrer Arbeit hat die Herzinsuffiziensschwester gemerkt, wie die Compliance, also das Mitwirken der Patienten aus Unwissenheit zu der Krankheit fehlt. „Bei der Aufklärung ist ein wahnsinniger Nachholbedarf“, ist ihre Erkenntnis. Umso dankbarer sind die Herzinsuffizienz-Patienten für die Betreuung durch Eva Sendelbach, denn sie bekommen das Gefühl, verstanden und ernst genommen zu werden.
Durch ihre Weiterbildung zur Herzinsuffizienzschwester, die Eva Sendelbach im November durch eine Abschlussprüfung erfolgreich abgeschlossen hat, hat auch sie selbst eine Bereicherung für ihr Leben gefunden. „Mich macht es glücklich, Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können und die Lebensqualität von Menschen mit einer solchen Krankheit zu verbessern“, strahlt sie.
Foto: Eva Sendelbach bei einer telefonischen Beratung (Foto: Kreisklinik Bad Neustadt).
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